• Grünland – Das Stiefkind

    Trockenheit, Dürre, Futtermangel, verlorener zweiter und dritter Schnitt … sind Schlagworte des vergangenen Jahres.

    Grünland – Das Stiefkind

    Trockenheit, Dürre, Futtermangel, verlorener zweiter und dritter Schnitt … sind Schlagworte des vergangenen Jahres.


    Die Futtersilo sind voll in das letzte Jahr übertragen worden. Landwirte die diese komfortable Situation nicht hatten, konnten immer noch Futter zukaufen. Die anfänglich befürchteten Bestandesreduzierungen blieben weitgehend aus.

    In die Zukunft gerichtet muss jetzt aber das Jahr 2019 Leistung bringen, sonst wird es wirklich eng auf den Betrieben. Nur wie soll das auf dem Grünland gelingen? Die Grundvoraussetzungen sind schlichtweg schlecht. Das LLH hat unter der Rubrik Boden und Düngung die langjährigen Jahresmittelwerte nach VDLUFA Einstufung veröffentlicht. Darin zeigt sich, dass ca. 85 % der Grünlandflächen einen Kalkbedarf haben. Ca. 55 % der Flächen müssen sogar aufgekalkt werden. Bei dem Element Phosphat sieht es noch schlechter aus. Und man staune – auch Kali ist unwesentlich besser. Sicherlich, das sind Durchschnittswerte. Da muss schon jeder Betriebsleiter selber sehen wo er mit seinem Grünland steht.

    Effekte der Kalkung auf den Boden

    Quelle: (Tabelle von LLH, Quelle LLH)


    Grünland ist eine Frage des Standortes


    Effekte der Kalkung auf den Boden

    Quelle: (Tabelle pH Wert Skala, Quelle DHG / Hufgard)

    Auf diese Ausgangslage trifft jetzt noch die aktuelle, miserable Bestandessituation, mit der das Grünland in den Winter gegangen ist. Die Flächen waren im Herbst tiefgründig vertrocknet, verdorrt. Zum Schluss wurde noch einmal gemulcht, um wenigstens sauber in den Winter zu gehen. Die übliche Nachsaat blieb gänzlich aus. Wie das Grünland aus dem Winter kommt wird sich zeigen. Die Leistung des ersten Schnittes wird schon in Frage gestellt.

    „Grünland ist eine Frage des Standortes, im Großen wie im Kleinen.“ (Zitat Dr. Neff) Im Großen meint die Exposition wie Klima, Hanglage, Auenlage, Staunässe, flachgründig. Im Kleinen bedeutet: Die Pflanze, die für sich auf den wenigen Quadratzentimetern Standfläche ihre optimalen Wachstumsbedingungen vorfindet, wird sich durchsetzten. Oder anders herum – bei einem niedrigen pH Wert wachsen nun mal nur geringwertige Gräser mit einer niedrigen Futterwertzahl. Da hilft auch keine noch so gute Nachsaat.

    Hochwertige Futtergräser, Kräuter und Leguminosen haben einen pH Wert Anspruch im schwach sauren Bereich, um pH 6. Das passt zudem gut zu dem Bodenanspruch und insbesondere zu dem Anspruch der Mikrobiologie. Diese entwickelt sich bei pH 6 bis 7 im Optimum, darunter fällt die biologische Aktivität rapide ab. Wer soll dann noch die organische Substanz / Gülle umbauen und als Nähstoffe wieder zur Verfügung stellen? Nicht so einfach.

    Regulierung der ph Werte


    Regulierung der pH Werte werden auf dem Grünland in der Regel Kohlensaure Kalke
mit oder ohne Magnesium oder Konverterkalke

    Zur Regulierung der pH Werte werden auf dem Grünland in der Regel Kohlensaure Kalke mit oder ohne Magnesium oder Konverterkalke – beide in erdfeuchter Form - eingesetzt. Diese Kalkformen sind säurelösliche Kalke, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Branntkalk hat nur noch eine geringe Bedeutung, z.B. zur Hygienisierung bei Parasitenbefall im Bereich von Feuchtstellen.

    Die Vorteile der erdfeuchten Kalken sind Ihre einfache Handhabung. Am Feldrand abgekippt, mit Großflächenstreuern ausgebracht, große Streubreite bis 18 m, hohe Flächenleistung.

    Quelle: (Bild HGS 10000 Grünland, Quelle Hufgard)

    Die Nachteile dieser säurelöslichen Kalke liegen in ihrer verzögerten Wirksamkeit. Insbesondere grobkörnige Produkte haben da so ihre Probleme. Die einzige Chance der Verfügbarkeit liegt in der Verwitterung. Aus Calciumcarbonat (CaCO3) und Calciumsilikat (CaSiO3) muss sich nun mal Calciumdihydrogencarbonat (Ca(HCO3)2) bilden um wirksam zu werden. In dieser Form werden H-Atome weggenommen, der pH Wert steigt. Calcium wird abgespaltet und an die Austauscher im Boden angelagert. Dies wiederum führt zur Stabilisierung des Porenvolumen für den Luft- und Wasserhaushalt. Für Magnesimcarbonat (MgCO3) gilt übrigens der gleiche Vorgang.

    Der Hauptwurzelbereich bei Grünland liegt bis 20 cm Tiefe, je nach Gegebenheit auch deutlich tiefer. Eine Bodenbearbeitung findet nicht statt. Wie soll da ein grobkörniges, „griffiges“ Material hinkommen?

    Säurelösliche Kalke müssen in der Bodenfeuchtigkeit gelöst werden. Nur so sind sie mobil. Mit der Versickerung gelangen sie dann nach unten. Ein Prozess, der länger (Jahre) dauern kann.

    Jetzt könnte man sagen, dass auch höhere Bodenorganismen zur Verlagerung beitragen. Die müssen aber bei einem niedrigen pH Wert erst einmal vorhanden sein. Die Düngemittelverordnung schreibt eine Mindestmahlfeinheit von 97 % kleiner 3,15 mm und 70 % kleiner 1,00 mm vor. Auf dem Markt gibt es aber wesentlich feiner und damit verwitterungsfreundlichere Qualitäten.

    Diese haben bei dieser Betrachtung den deutlichen Vorzug. Hier wird schnell an der falschen Stelle gespart.

    Der tatsächliche Kalkbedarf wird auf der Bodenprobe ausgewiesen. Zu jeder Bodenprobe gibt es eine Düngeempfehlung. Dort wird der Kalkbedarf als CaO angegeben. Erdfeuchte Kalke haben einen CaO Wert zwischen 45% und 50 %. Damit werden aus eine Düngeempfehlung von 2000 kg CaO / ha sehr schnell 4000 kg /ha Kalk und mehr. Die Kalkausbringung kann das ganze Jahr erfolgen. Die amtliche Empfehlung sagt nach jeder Nutzung. Bevorzugte Termine sind das zeitige Frühjahr oder der Herbst. Eine leichte Einarbeitung mit dem Striegel bringt Bodenschluss und ist von Vorteil.

    Fazit:

    In diesem Frühjahr gewinnt Grünland deutlich an Bedeutung. Es gilt die Grundfutterversorgung zu sichern. Die Nachsaat muss gelingen. Sie hat ein pH Optimum um pH Wert 6. Dieser Wert kann nach der Düngeempfehlung eingestellt werden. Feinvermahlene Kalke sind zu bevorzugen. Vor der Nachsaat kalken und mit Striegel für Bodenschluss sorgen.

    Georg Englert, LAD Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland

  • Der Boden

    Der saure Boden, verdichteter Boden, verschlämmter Boden und der ausgewaschene Boden

    Der saure Boden

    Saure Böden brauchen viel Kalk


    sauerer Boden
    • In stark sauren Böden sind Nährstoffe schlecht verfügbar. Dies macht sich z.B. an der Aufhellung der Blätter im Pflanzenbestand bemerkbar.
    • Gerste (Lehnheim Hessen Juni 2013)
    • Aus der Grafik wird ersichtlich, dass einige Nährstoffe im pH-Bereich unter pH 6-7 optimal verfügbar sind, auf der anderen Seite gibt es Nährstoffe, die erst ab einem pH-Wert über 6-7 der Pflanze ausreichende zur Verfügung stehen. Der pH-Wertbereich zwischen 6 und 7 ist daher als „goldener Mittelwert“ anzustreben, um mit möglichst wenig Düngereinsatz bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.
    Effekte der Kalkung auf den Boden

    Effekte der Kalkung auf den Boden

    Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zeigt wie Stickstoffdünger hinsichtlich ihrer Kalkwirkung zu bewerten sind. Auffallend ist hier, das bis auf Kalkstickstoff, alle Stickstoffdünger eine negative Kalkbewertung aufweisen. Besteht der Dünger aus einer Kombination von Stickstoff mit Schwefel, so steigt die kalkzehrende Wirkung um ein weiteres an. Das bedeutet für den Landwirt, das bei der Wahl der Dünger auch der gesteigerte Bedarf an Kalk im Boden nicht unterschätzt werden darf.

    Die Bewertung von Stickstoffdünger hinsichtlich ihrer Kalkwirkung wurde von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen aufgelistet. Auffallend ist hier, das bis auf Kalkstickstoff, alle Stickstoffdünger eine negative Kalkbewertung aufweisen. Besteht der Dünger aus einer Kombination von Stickstoff mit Schwefel, so steigt die kalkzehrende Wirkung. Das bedeutet für den Landwirt, das bei der Wahl der Dünger auch der gesteigerte Bedarf an Kalk im Boden nicht unterschätzt werden darf.

    Effekte der Kalkung auf den Boden

    Quelle: landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/ackerbau/pdf/n-duengemittel-pdf.pdf


    Als besonders problematisch sollten daher Kalke betrachtet werden, die gleichzeitig hohe Schwefelgaben mitbringen. Die kalkzehrende Wirkung der Schwefeldünger übersteigt unter Umständen die kalkförderne Wirkung dieser Kalkdünger.

    Verdichtete Böden


    verdichteter Boden
    • Die Krümelstruktur ist zusammen gebrochen, da die Nährstoffe Calcium und Magnesium nicht ausreichend vorhanden sind, um ein lockeres Bodengefüge zu gewährleisten.
    • Weizen (Angersbach Hessen Juni 2013)
    verdichteter Boden

    PH-Wert im Boden

    Optimale Bedingungen finden Regenwürmer bei einem pH-Wert im Boden zwischen 6,5 und 8. Sinkt der pH-Wert unter 6,5 so ist nicht nur die Leistungsfähigkeit der Regenwürmer eingeschränkt, sondern auch die Tätigkeit zahlreicher Organismen, die an der Strohrotte und dem Abbau organischer Dünger beteiligt sind. Wie auf den Bildern zu sehen ist, befindet sich der pH-Wert im roten, sauren Bereich. Die damit verbundene reduzierte Strohrotte hat schon deutliche Spuren hinterlassen, in dem die neu gedrillte Saat an vielen Stellen nicht auflaufen konnte.

    Quelle: Regenwurmaktivität nach Schmid und Rudert 1974

    Verdichtete Böden brauchen Calcium und Magnesium zur Strukturverbesserung

    Böden mit niedrigen pH-Werten können eine schlechte Strohrotte zur Folge haben, da die Tätigkeit der Mikroorganismen eingeschränkt ist.

    verdichteter Boden

    Weizen (Angersbach Hessen Juni 2013)

    Verschlämmte Böden


    Verschlämmte Boden

    Mais (Lehnheim Hessen Juni / August 2013) Verschlämmte Böden durch Strukturschäden nach den starken Regenfällen im Frühjahr

    Ausgewaschene Böden


    Boden und Kalk

    Kalk muss im Boden verwittern, um eine Wirkung auf den pH Wert und die Gefügestruktur zu erzielen. Je feiner der eingesetzte Kalk, desto schneller, die Wirkung.

    Auswaschung = produktive Kalkverlagerung

    • Der Kalk hat nach der Passage des Bodenkörpers seine Wirkung bereits getan.
    • Die im Boden gebildeten Säuren wurden neutralisiert.

    Mahlfeinheit und Wirkungsgeschwindigkeit


    Mahlfeinheit
    • Harter Schotterkalk
    • weicherdiger Naturkalk von Hufgard

    Kalk muss im Boden verwittern, um eine Wirkung auf den pH Wert und die Gefügestruktur zu erzielen. Je feiner und weicherdiger der eingesetzte Kalk, desto schneller die Wirkung im Boden.

    Einfluß der Korngröße eines kohlensauren Kalkes auf den pH-Wert in schwach zersetzten Hochmoortorf.

    PH Wertmessung nach GÜNTHER zitiert bei Meyer 1989
    • (nach GÜNTHER zitiert bei Meyer 1989)

    Streusünden


    Kalk Streusünden auf dem Boden
    • Limburg September 2013
    • Die innere Oberfläche steigt mit der Mahlfeinheit.
    • Qualitativ hochwertige Kalke können durch Freilandlagerung zu einem minderwertigen Kalk degradiert werden. Feines Ausgangsmaterial kann durch Klumpenbildung in seiner Kalkwirkung derart beeinträchtigt werden, dass eine pH-Wirkung erst mit massiver Verzögerung erwartet werden kann. In solchen Fällen spielt das Ausgangsmaterial kaum noch eine Rolle, denn nur Kalk, der auf dem Acker noch als „feiner“ Kalk eingearbeitet wird, bietet eine ausreichend große innere Oberfläche, um die sauer wirkenden Protonen im Boden zügig neutralisieren zu können.
  • Verlorenes Wissen

    Kalk zur Konservierung

    Verlorenes Wissen?

    Wenn Wissen in Vergessenheit gerät: Kalk zur Konservierung

    Gebrannte Kalke haben die Fähigkeit ihrer Umgebung Feuchtigkeit zu entziehen und nach der Wasseraufnahme stark basisch zu reagieren, dies macht sie zur Konservierung geeignet. Mieten für Rüben und Kartoffeln können durch 1 kg gemahlenen Branntkalk je dz, den man zweckmäßig beim Abladen der Fuhre in Miete, Keller oder Lagerraum einstreut, zuverlässig vor Lagerverlusten geschützt werden. In Krautfäulejahren ist dieses Verfahren bei der Einlagerung von Kartoffeln dringend geboten, um die Verluste durch Braunfäule während der Wintermonate herabzusetzen.

    Quelle: Düngekalk Leitfaden für Wirtschaftsberater 4. Auflage

    Herausgeber: Kalkdienst Land- und forstwirtschaftliche Abteilung der Düngekalk-Hauptgemeinschaft 5 Köln, Kaiser-Wilhelm-Ring 26. 1965