Grünland – Das Stiefkind
Trockenheit, Dürre, Futtermangel, verlorener zweiter und dritter Schnitt … sind Schlagworte des vergangenen Jahres. Wasser, der hingenommene Pflanzennährstoff
Viele Rinderhalter profitieren noch heute von der guten Grundfuttersituation aus dem Jahr 2023.
Die Futtersilos sind voll in das letzte Jahr übertragen worden. Landwirte, die diese komfortable Situation nicht hatten, konnten immer noch Futter zukaufen. Die anfänglich befürchteten Bestandsreduzierungen blieben weitgehend aus.
In die Zukunft gerichtet muss jetzt aber das Jahr 2019 Leistung bringen, sonst wird es wirklich eng auf den Betrieben.
Nur wie soll das auf dem Grünland gelingen? Die Grundvoraussetzungen sind schlichtweg schlecht. Das LLH hat unter der Rubrik Boden und Düngung die langjährigen Jahresmittelwerte nach VDLUFA Einstufung veröffentlicht. Darin zeigt sich, dass ca. 85 % der Grünlandflächen einen Kalkbedarf haben. Ca. 55 % der Flächen müssen sogar aufgekalkt werden. Bei dem Element Phosphat sieht es noch schlechter aus. Und man staune – auch Kali ist unwesentlich besser. Sicherlich, das sind Durchschnittswerte.
Da muss schon jeder Betriebsleiter selber sehen wo er mit seinem Grünland steht.

Auf diese Ausgangslage trifft jetzt noch die aktuelle, miserable Bestandessituation, mit der das Grünland in den Winter gegangen ist. Die Flächen waren im Herbst tiefgründig vertrocknet, verdorrt. Zum Schluss wurde noch einmal gemulcht, um wenigstens sauber in den Winter zu gehen. Die übliche Nachsaat blieb gänzlich aus. Wie das Grünland aus dem Winter kommt wird sich zeigen. Die Leistung des ersten Schnittes wird schon in Frage gestellt.
„Grünland ist eine Frage des Standortes, im Großen wie im Kleinen.“ (Zitat Dr. Neff)
Im Großen meint die Exposition wie Klima, Hanglage, Auenlage, Staunässe, flachgründig. Im Kleinen bedeutet: Die Pflanze, die für sich auf den wenigen Quadratzentimetern Standfläche ihre optimalen Wachstumsbedingungen vorfindet, wird sich durchsetzten. Oder anders herum – bei einem niedrigen pH Wert wachsen nun mal nur geringwertige Gräser mit einer niedrigen Futterwertzahl. Da hilft auch keine noch so gute Nachsaat.
Hochwertige Futtergräser, Kräuter und Leguminosen haben einen pH Wert Anspruch im schwach sauren Bereich, um pH 6. Das passt zudem gut zu dem Bodenanspruch und insbesondere zu dem Anspruch der Mikrobiologie. Diese entwickelt sich bei pH 6 bis 7 im Optimum, darunter fällt die biologische Aktivität rapide ab. Wer soll dann noch die organische Substanz / Gülle umbauen und als Nähstoffe wieder zur Verfügung stellen? Nicht so einfach.

(Tabelle pH Wert Skala, Quelle DHG / Hufgard)
Zur Regulierung der pH Werte werden auf dem Grünland in der Regel Kohlensaure Kalke mit oder ohne Magnesium oder Konverterkalke – beide in erdfeuchter Form – eingesetzt. Diese Kalkformen sind säurelösliche Kalke, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Branntkalk hat nur noch eine geringe Bedeutung, z.B. zur Hygienisierung bei Parasitenbefall im Bereich von Feuchtstellen.
Die Vorteile der erdfeuchten Kalken sind Ihre einfache Handhabung. Am Feldrand abgekippt, mit Großflächenstreuern ausgebracht, große Streubreite bis 18 m, hohe Flächenleistung.
Die Nachteile dieser säurelöslichen Kalke liegen in ihrer verzögerten Wirksamkeit. Insbesondere grobkörnige Produkte haben da so ihre Probleme. Die einzige Chance der Verfügbarkeit liegt in der Verwitterung. Aus Calciumcarbonat (CaCO3) und Calciumsilikat (CaSiO3) muss sich nun mal Calciumdihydrogencarbonat (Ca(HCO3)2) bilden um wirksam zu werden. In dieser Form werden H-Atome weggenommen, der pH Wert steigt. Calcium wird abgespaltet und an die Austauscher im Boden angelagert. Dies wiederum führt zur Stabilisierung des Porenvolumen für den Luft- und Wasserhaushalt.
Für Magnesimcarbonat (MgCO3) gilt übrigens der gleiche Vorgang.
Der Hauptwurzelbereich bei Grünland liegt bis 20 cm Tiefe, je nach Gegebenheit auch deutlich tiefer. Eine Bodenbearbeitung findet nicht statt. Wie soll da ein grobkörniges, „griffiges“ Material hinkommen?
Säurelösliche Kalke müssen in der Bodenfeuchtigkeit gelöst werden. Nur so sind sie mobil. Mit der Versickerung gelangen sie dann nach unten. Ein Prozess, der länger (Jahre) dauern kann.
Jetzt könnte man sagen, dass auch höhere Bodenorganismen zur Verlagerung beitragen. Die müssen aber bei einem niedrigen pH Wert erst einmal vorhanden sein.
Die Düngemittelverordnung schreibt eine Mindestmahlfeinheit von 97 % kleiner 3,15 mm und 70 % kleiner 1,00 mm vor. Auf dem Markt gibt es aber wesentlich feiner und damit verwitterungsfreundlichere Qualitäten.
Diese haben bei dieser Betrachtung den deutlichen Vorzug. Hier wird schnell an der falschen Stelle gespart.
Der tatsächliche Kalkbedarf wird auf der Bodenprobe ausgewiesen. Zu jeder Bodenprobe gibt es eine Düngeempfehlung. Dort wird der Kalkbedarf als CaO angegeben. Erdfeuchte Kalke haben einen CaO Wert zwischen 45% und 50 %. Damit werden aus eine Düngeempfehlung von 2000 kg CaO / ha sehr schnell 4000 kg /ha Kalk und mehr.
Die Kalkausbringung kann das ganze Jahr erfolgen. Die amtliche Empfehlung sagt nach jeder Nutzung. Bevorzugte Termine sind das zeitige Frühjahr oder der Herbst. Eine leichte Einarbeitung mit dem Striegel bringt Bodenschluss und ist von Vorteil.
Fazit:
In diesem Frühjahr gewinnt Grünland deutlich an Bedeutung.
Es gilt die Grundfutterversorgung zu sichern.
Die Nachsaat muss gelingen.
Sie hat ein pH Optimum um pH Wert 6.
Dieser Wert kann nach der Düngeempfehlung eingestellt werden. Feinvermahlene Kalke sind zu bevorzugen.
Vor der Nachsaat kalken und mit Striegel für Bodenschluss sorgen.
Georg Englert, LAD Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland
